Die Aufführung des Oratoriums DIE SCHÖPFUNG von Joseph Haydn wird ein kirchenmusikalischer Höhepunkt des Jahres 2026 sein - für den Bachchor das Festkonzert zu seinem 80. Chorjubiläum und für Kantor Hans-Jürgen Freitag zugleich das Abschiedskonzert, bevor er Ende März in den Ruhestand tritt.

Hier der Beitrag zum Konzert von Hans-Jürgen Freitag (aus dem Gemeindebrief Februar - April 2026, S. 17):
Nach dem „Messias“ Anfang November und dem „Weihnachtsoratorium“ am Vorabend des vierten Advent habe ich das große Glück, jetzt, als für mich letztes Werk mit dem Bachchor, auch noch die „Schöpfung“ aufführen zu dürfen.
Das Werk beginnt mit einem großen Knall (als hätte Haydn schon die Theorie vom Urknall gekannt), sofort ist der Zuhörer mittendrin und dabei bei der „Vorstellung des Chaos“ und erlebt nichts weniger als die Erschaffung der Welt. Nicht als wissenschaftliche Beschreibung physikalischer Prozesse, wie sie mutmaßlich gewesen sind aus der Sicht des 21. Jahrhunderts, sondern in mythologischen Bildern; eben so, wie man sich auch in der Zeit Haydns noch die Erschaffung der Welt vorstellte. Am siebten Tag ist „das große Werk vollendet“ und
der „Schöpfer sieht’s und freuet sich“.
Bis dahin jagt ein Jubelchor den anderen und zwischendurch wird ungeheuer unterhaltsam und heiter geschildert, wie Gott die Welt erschafft - Himmel, Erde, Sonne, Mond, Sterne, Wetter, Pflanzen, Tiere und schließlich den Menschen. „O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt noch mehr zu wünschen, als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt.“
Dieses Oratorium ist Gute-Laune-Musik vom Allerfeinsten, dabei allerdings bei aller Heiterkeit der Wiener Klassik keinesfalls naiv. Vielmehr wird die Pracht der Welt und das Wunder der Schöpfung einfach mit einer geradezu überbordenden Freude dargestellt. Eine Sicht auf die Welt, wie sie uns Heutigen nach zwei Weltkriegen, millionenfachem Massenmord, gegenwärtiger gesellschaftlicher Verunsicherung, Angst und allenthalben Bedrohungsszenarien nicht mehr ohne weiteres zur Verfügung steht. Ich bin tief berührt von der gedanklichen Unverdorbenheit und schlicht und einfach von dem Glück, das mir in dieser Musik begegnet.
Dass wir, auch, und gerade, wenn unsere Welt so ganz anders ist, diese Musik haben, aufführen und hören können, erlebe ich als ein großes Geschenk.